BRUCKER JOURNAL: Infos, Kommentare, Kritik, Vorschläge, Hinweise, Ideen ...

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ICAN-Städteappell unterzeichnet

Am 1. September 2019 appellierte das Sozialforum Amper an die Brucker Stadträte, sich dem ICAN-Städteappell anzuschließen: „International ruft ICAN Städte dazu auf, den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen zu unterstützen“ (https://www.icanw.de/ican-staedteappell). Dort heißt es: „Atomwaffen stellen eine besondere Bedrohung für Städte dar. Sie sind im Ernstfall die primären Ziele eines atomaren Angriffs. Damit sind Städte direkt betroffen und sollten sich deshalb in die Diskussion zu dieser Frage einmischen. Atomwaffen sind konzipiert, um Menschen und Infrastruktur gigantischen Schaden zuzufügen … Ein neues Bündnis von Städten weltweit stärkt die Stimmen der Menschen überall und setzt alle Regierungen dieser Welt unter Druck, jegliche Beteiligung an der atomaren Abschreckung und jegliche Verstrickung in Atombombengeschäften zu unterlassen.“
November/Dezember wurde der Appell von der BBV-Fraktion im Namen des 2. Bürgermeisters Christian Götz im Stadtrat eingebracht. In der Stadtratssitzung am 31.1.19 wurde er mit Ausnahme der Gegenstimmen der beiden FDP-Stadträte angenommen. Der Appell ist als PDF hier nachzulesen.

Obdachlose zählen

Das Brucker Tagblatt berichtete am 30.1.20: »Suche nach Unterkünften. Zahl der Obdachlosen in Gröbenzell ist rapide gestiegen … Auch in Gröbenzell werden immer mehr Menschen obdachlos. Die Gründe dafür sind unterschiedlich … die Zahlen sind seit 2014 teils rapide angestiegen. Damals waren es noch neun Menschen, die kein Dach über dem Kopf hatten, 2017 stieg die Zahl auf 46. Im vergangenen Jahr wurden 33 Obdachlose gezählt, davon 15 Kinder und Jugendliche. Am häufigsten traf die Obdachlosigkeit nach aktuellen Erkenntnissen anerkannte Asylbewerber, die die Flüchtlingsunterkunft verlassen mussten. Weitere Gründe sind Eigenbedarfskündigungen oder Zwangsräumungen …«
Bericht in der Wochenzeitung „freitag“: »Zählt nicht uns, zählt lieber die leerstehenden Wohnungen!“ … Begleitet von einem großen Rummel hat in Berlin die erste Obdachlosenzählung stattgefunden. Doch es gibt auch Kritik: Bei dem Projekt fehle die Augenhöhe … „Zählen ist keine Solidarität!“, sagt Stefan Schneider von der Selbstvertretung Wohnungsloser Menschen e.V., der gemeinsam mit dem Berliner Wohnungslosenparlament die Protestmahnwache angemeldet hat. Die Kritik der ‚Unbedachten‘: Die Ergebnisse der Zählung werden nicht stimmen; die Wohnungslosigkeit vieler Frauen werde gar nicht erfasst (Stichwort Wohnungsprostitution), auch nicht derjenigen Menschen, die auf Dachböden und in Kellern versteckt „Platte“ machten. Zum anderen habe eine bloße Umfrage für so manche Betroffene auch etwas Entwürdigendes, weil sie ja ohne ein konkretes Hilfsangebot daherkommt. „Und das ist das Problem“, sagt Scheider, „Wohnungen für Obdachlose werden nicht in Aussicht gestellt.“ … «

Über die dunkle Vergangenheit der Polizeischule Fürstenfeldbruck

Im „LIFEstudioFFB“ gibt es am Freitag, 31.1., um 19 Uhr einen Livestream auf www.lifestudio.ffbaktiv.de, danach im Videoarchiv: www.youtube.com/ffbaktivstudiomit Dr. Sven Deppisch über seine Forschung zur dunklen Vergangenheit der Polizeischule Fürstenfeldbruck. Sven Deppisch spricht über sein Buch „Täter auf der Schulbank“ und stellt die zentralen Ergebnisse seiner Dissertation vor. Außerdem berichtet er darüber, was ihn dazu motivierte, die dunkle Vergangenheit der Polizeischule Fürstenfeldbruck zu erforschen. Nicht zuletzt erzählt er davon, welche Reaktionen er bisher erhielt und was sein Buch auslöste.
Ausführliche Infos auf www.ffbwandel.wordpress.com/brucker-bruecke/stadt-im-wandel.

Gedenken am Todesmarsch-Mahnmal

Kurz vor dem Ende des Nazi-Regimes wurden im April 1945 jüdische Zwangsarbeiter aus den Konzentrationslagern Landsberg/Kaufering durch Bruck Richtung Alpenvorland getrieben. Daran erinnert das Brucker Todesmarsch-Mahnmal an der Dachauer Straße/Ecke Augsburger Straße. Dort fand am Montag, 27. Januar, dem Tag der Opfer des Nationalsozialismus, ab 11.30 Uhr ein öffentliches Gedenken statt. Schüler der Realschule Puchheim lasen Texte aus dem Buch „Mein Schatten in Dachau“. Für die musikalische Begleitung sorgte die Musikklasse der Realschule. Die Brucker SZ berichtete am 27.1.20 über das „Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz“: »Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee die letzten überlebenden Gefangenen des KZ Auschwitz nach heftigen Kämpfen gegen die Wehrmacht. Seit 1996 ist dieses Datum ein Gedenktag in der Bundesrepublik. In Bruck veranstaltet der Arbeitskreis Mahnmal deshalb Gedenkminuten am Todesmarsch-Mahnmal an der Augsburger Straße … Gegen Vergessen und Fremdenhass … Im April 1945 wurden die Überlebenden in Todesmärschen quer durch den Landkreis Fürstenfeldbruck getrieben. Das Mahnmal stammt von dem Künstler Hubertus von Pilgrim und wurde 1994 aufgestellt … Hunderte Bürger beteiligen sich … Schüler lesen aus Briefen und Gedichten von Opfern des Faschismus … Das Gedenken richte sich nicht nur gegen das Vergessen der Vergangenheit, sondern gegen „neuen Fremdenhass“ …«
Am 24.1. interviewte das Brucker Tagblatt Julia Zieglmeier vom AK Mahnmal FFB:
„Der 27. Januar ist der Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass organisiert der Arbeitskreis Mahnmal Fürstenfeldbruck jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung am Todesmarsch-Mahnmal … Was der Arbeitskreis leistet und warum seine Arbeit heute wichtiger ist denn je, berichtet Sprecherin Julia Zieglmeier (70) im Tagblatt-Interview.“
Zur Warnung veröffentlichen wir folgende Berichte: Versuchung von rechts: „Fridays gegen Altersarmut“ – Das Rententhema von AfD vereinnahmt. Schon seit Längerem gerieren sich Rechte unterschiedlicher Form als Verteidiger der deutschen Rentner, die angeblich gegenüber Geflüchteten benachteiligt würden. „Rentner müssen Flaschen sammeln und vor Essenstafeln Schlange stehen“, heißt es in einem Aufruf der rechten Homepage PI-News im Juli 2019. Dort wurde an die AfD appelliert, das Thema Altersarmut zu besetzen. Nach verschiedenen Statistiken über wachsende Altersarmut kommt dann der nationalistische Erklärungsansatz. Gerade Senioren würden besonders unter dem Verlust traditioneller Werte und alter Sicherheiten leiden. Daran könnte die AfD anknüpfen … Rechte Gruppen fordern exklusive Rechte für einige Gruppen, wenn sie Rentner gegen Migranten ausspielen. Sie knüpfen da an Vorstellungen an, dass man sich Rechte erst einmal verdienen muss, beispielsweise durch eine deutsche Staatsbürgerschaft. Bericht: https://www.heise.de/tp/features/Nach-Fridays-for-Future-nun-Fridays-gegen-Altersarmut-4644978.html. Nazis auf „Fridays gegen Altersarmut“: https://www.volksverpetzer.de/recherche-afd/so-rechts-fridays-altersarmut. Das gewerkschaftliche Bündnis: http://buendnis-gegen-altersarmut.de. Ein wichtiger grundlegender Text: „Der fruchtbare Schoß: Auch 75 Jahre nach dem Ende des Hitlerfaschismus ist die Gefahr nicht gebannt. Wir alle sind zur Wachsamkeit aufgerufen“ … Über die Nazi-Fianziers in den USA: https://www.rubikon.news/artikel/die-us-ns-connection.

Wege für die regionale, nachhaltige Lebensmittelversorgung

Die Brucker SZ berichtete am 20.1.20: „Erste Bilanz“ der offenen Arbeitsgemeinschaft Ernährungsrat FFB. Er „veranstaltete … zwei regionale Genusswochen. Die Beteiligung der Gastronomiebetriebe habe sich schon bei der zweiten Auflage deutlich erhöht, freute sich Richard Bartels, Sprecher einer der insgesamt vier Arbeitsgruppen … soll regionale Esskultur an Familien und Kinder herangetragen werden, etwa mit Führungen von Schulklassen über den Fürstenfeldbrucker Bauernmarkt. Die Erzeuger wollen durch Infostände und Aktionen auf die Regionalität ihrer Produkte aufmerksam machen. Kritik gab es an der Zusammenarbeit von Brucker Land und Amazon Prime Now sowie am aus Sicht mancher Mitglieder fehlenden Engagement der Politik.“ Das oberstes Ziel des Ernährungsrats: einen „Weg für die regionale, nachhaltige Lebensmittelversorgung für die Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck“ schaffen. Es gibt zwei Arbeitsgruppen: „Ernährungshandwerk, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung“ und „Ökologische und faire Erzeugung & Vermarktung“. Die „Arbeitsgemeinschaft will mehr für regionale Versorgung werben“ und ruft auf: Mach mit und melde dich bei Michaela Bock | Agenda 21-Büro des Landkreises Fürstenfeldbruck | Münchner Str. 32 | 82256 Fürstenfeldbruck, Tel.: 08141/519-336. Die Webseite des ER: www.ernaehrungsrat-ffb.de

Livesendung über Armutsfallen

Das „LIFEstudioFFB“ übertrug am Freitag, 17.1., um 19 Uhr, eine Gesprächsrunde zur Situation der Rentner, Arbeitslosen und von Hartz-IV-Betroffenen. Zu sehen als Langfassung: https://youtu.be/4jnolimRoQk. Das Thema: „Die Armutsfalle – Hartz IV und die Folgen“. Nach dem BGH-Urteil am 5.11.19 zur Hartz-IV-Sanktionspolitik diskutieren über ihre Erfahrungen mit betroffenen Menschen: Die Autorin Bettina Kenter-Götte („Heart‘s Fear – Geschichten vor Armut und Ausgrenzung“), Fredy Engelhardt von der Initiative zur Selbsthilfe für Betroffene mit geringem Einkommen isb und Mike Gallen von der Arbeitslosenseelsorge und dem Improtheater für Erwerbssuchende bei der Erzdiözese München. Sie diskutieren die Fragen: Wer macht diese Politik und mit welchen Mitteln? Wie wirkt sich diese Politik auf die Betroffenen aus? Welche guten und schlechten Erfahrungen werden bei der Betreuung, Beratung und Hilfeleistung gemacht? Wie weiter? – Hartz IV ist in Verruf geraten, die zunehmende Altersarmut zu befördern. Die Armut schreitet fort im Land. Auch im Brucker Raum. Die Schere zwischen armen und reichen Familien in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen – und Leidtragende sind vor allem die Kinder. Arme Familien haben inzwischen preisbereinigt noch weniger Geld für ihre Kinder zur Verfügung als vor zehn Jahren, während sich reiche Familien mehr für ihren Nachwuchs leisten können. Dies geht aus einer Studie hervor, die der Paritätische Gesamtverband vorgelegt hat. Die Zahlen sind schockierend: Rund 650.000 Menschen in Deutschland haben keine eigene Wohnung, 48.000 von ihnen leben auf der Straße, Tendenz steigend. – Im Evangelium des Matthäus heißt es sinngemäß: „Wer hat, dem wird gegeben, und wer wenig hat, dem wird auch das noch genommen.“ 1846 verzeichnete der »Brockhaus« erstmals den »neuerfundenen Begriff« des »Pauperismus« als Ausdruck dafür, dass »eine zahlreiche Volksclasse sich durch die angestrengteste Arbeit höchstens das nothdürftigste Auskommen verdienen kann«, bzw. »auch dessen nicht sicher ist«.

Die im Dunkeln …

Bericht in der Brucker SZ vom 3.1.20: „Oft fehlt das Geld selbst fürs Nötigste. Mehr Menschen sind im Landkreis auf Grundsicherung angewiesen. Steigende Lebenshaltungskosten machen vor allem Rentnern zu schaffen. Frauen sind von Altersarmut besonders betroffen“.
Ein Bericht über gern verschwiegene Fakten: „Versteckte Erwerbslose. Krank, älter oder in Maßnahmen: Fast eine Million Menschen ohne Job tauchen in der offiziellen Statistik nicht auf“.
Aktuelle Daten und Analysen zum Arbeitsmarkt und über die Situation von Arbeitslosen bietet die Webseite www.o-ton-arbeitsmarkt.de.
Für einen großen Teil der Bevölkerung wird die gesetzliche Rente sozialen Abstieg bedeuten. Exklusivabdruck aus „Altersarmut — Zukunft für die Hälfte aller RentnerInnen?“: https://www.rubikon.news/artikel/karge-zukunft – 28 Seiten-Auszug: http://rente-zum-leben.de/_private/Altersarmut-Quantit%C3%A4t20190822-A5-1.pdf
Rund 650.000 Menschen in Deutschland haben keine eigene Wohnung, 48.000 von ihnen leben auf der Straße, Tendenz steigend.

Ehrenamtliche Arbeit am Nächsten

Die Brucker SZ berichtete am 29.12.19 über Jürgen Schulz und „das große Spektrum an ehrenamtlichen Tätigkeiten des heute 78-jährigen Fürstenfeldbruckers“, der ein Buch im Eigenverlag veröffentlichte: „Fürstenfeldbruck am Rande. Notizen eines Ehrenamtlichen“. Die SZ schreibt: „Im Dauerdienst am Nächsten. Der Fürstenfeldbrucker Jürgen Schulz reflektiert in einem lesenswerten Büchlein über seine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Seine Erfahrungen beleuchten das Schatten-Dasein von sozial benachteiligten Menschen in der Kreisstadt … In jedem Kapitel erfährt man Tiefgreifendes über das jeweilige soziale Problemfeld, auf dem ehrenamtlicher Einsatz personelle Lücken schließt und Menschlichkeit einbringt … dokumentieren … die jüngere Sozialgeschichte der Kreisstadt, welche beispielhaft die Gründung und Entwicklung von Einrichtungen und Initiativen umfasst wie der Tafel für Bedürftige, der Beratungsstelle und Unterkunft für Wohnungslose, dem christlich-muslimischen Gesprächskreis, den Aktivitäten für fairen Handel oder dem Arbeitskreis Mahnmal für die Opfer der Todesmärsche von KZ-Häftlingen am Ende des Zweiten Weltkrieges … Der Autor wirft Fragen auf, die Defizite beleuchten. Etwa die, ob das Ehrenamt gesellschaftliche Aufgaben kompensiere, die eher von Beschäftigten der Kommunen oder anderen Institutionen ausgeführt werden sollten?“
Das Buch von Jürgen Schulz (75 Seiten, 8,50 Euro) ist erhältlich in Fürstenfeldbruck in der Buchhandlung Wagner, im Klosterladen, am Eine-Welt-Stand auf dem Bauernmarkt oder beim Autor selbst über die Emailadresse write.juergen@t-online.de.

Demokratie-Botschaften

Was hilft gegen Rechtspopulismus und Fake News? Partizipation! … „Democracy for Future“: Um das Klima und die Demokratie zu schützen, müssen wir die Demokratie weiterentwickeln. Unsere Gesellschaft steht vor gewaltigen Zerreißproben, um den Klimaschutz etwa mit wirtschaftlicher Sicherheit und sozialer Stabilität in global instabilen Zeiten zu vereinbaren. Daher gilt es, möglichst alle in der Gesellschaft vorhandenen Kompetenzen und unser aller Kreativität einzubeziehen, um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, die auch von allen mitgetragen werden. Wenn Menschen erleben, dass sie tatsächlich gehört werden und mitgestalten können, wird auch die Bereitschaft gestärkt, Verantwortung zu übernehmen, sich zu informieren oder eigenes Verhalten zu ändern. Heute gegebene technische und methodische Möglichkeiten werden von unserer Demokratie noch nicht ausgeschöpft. Das Projekt: https://democracyforfuture.de.
In einigen Teilen der Welt haben Metropolen begonnen, Politik neu zu gestalten. Kommunen haben Bürgerbeteiligung gefördert, sich dann – soweit möglich – zurückgezogen und ihre Entwicklung zugelassen. Klassische Beispiele sind die partizipatorische Haushaltsplanung in Porto Alegre in Brasilien, das Decide Madrid-System in Spanien und das Better Reykjavik-Programm in Island. Die lokale Bevölkerung hat den politischen Raum, der von Parteiapparaten und Top-Down-Regierungen besetzt worden war, wieder in Beschlag genommen. Sie haben gemeinsam herausgefunden, was ihre Gemeinden wirklich brauchen und wie sie es erreichen können – und sich geweigert, die Fragen von Politikern gestalten und die entsprechenden Antworten vorgeben zu lassen. Die Resultate waren bemerkenswert: ein gesteigertes politisches Engagement, insbesondere bei marginalisierten Gruppen, und eine enorme Verbesserung der lokalen Lebensqualität. Partizipative Politik erfordert nicht den Segen einer Zentralregierung, sondern nur eine selbstbewusste und weitsichtige lokale Verwaltung. – Mehr darüber auf www.freitag.de/autoren/the-guardian/das-gegengift.
Es sind die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der großen Städte, weltweit, die sich zunehmend zusammenschließen, weil sie die politischen Existenzbedingungen, die nationalstaatliche Verhandlungen unter sich führen, nicht mehr für auskömmlich halten, um ihre Probleme zu lösen und sich weiter zu entwickeln … Der Gedanke der Kommune ist wieder da, aber auf einem anderen, neuen Niveau. Die Themen, die auf diesem Plateau diskutiert werden und an denen gearbeitet wird, reichen von der sozialen Frage bis zu Ökologie und Kultur … Eine tragende Rolle spielt dabei das Global Parliament of Mayors, in dessen Direktorat, das aus fünf Mitgliedern (Oberbürgermeister der Städte Durban, Mannheim, Columbia, Hoima und Braga) besteht, übrigens ein deutscher Oberbürgermeister vertreten ist, das noch keinen offiziellen Status bei den Vereinten Nationen hat, aber dort angesiedelt ist. – Bericht: https://www.pressenza.com/de/2019/12/pact-of-free-cities-die-wachsende-union-der-kommunen
Webseite: https://globalparliamentofmayors.org

Ein „Beitrag gegen Verschwendung“?

Ergänzung: Resteverwertung zum halben Preis. – Übriggebliebene Essen in der Gastronomie doch noch verwerten, das ermöglicht die Handy-App „Too Good To Go“. Dabei »dreht sich alles um Essen, das „zu gut ist, um weggeschmissen zu werden“. Restaurants, Bäckereien oder andere Lebensmittelläden können sich registrieren und dort am Ende des Tages die übrig gebliebenen Speisen loswerden, anstatt sie wegzuwerfen. Die Kunden wiederum freuen sich über gutes Essen zu niedrigen Preisen und tragen gleichzeitig dazu bei, die Gastronomie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu unterstützen … Wunderboxen aus kompostierbarem Material zum Preis von 4,50 Euro …« – Das berichtete das Brucker Tagblatt am 2.1.20.
Kommentar: Die aufwertende Behauptung, dies sei ein „Weg zur Nachhaltigkeit“ darf bezweifelt werden. Die „Wunderbox“ ist lediglich eine gute Marketing-Idee zur Resteverwertung zum halben Preis.

Die Brucker SZ berichtete am 15.12.19: »Veranstaltung stellt Arbeit der Brucker „Lebensmittelretter“ vor …Kemmet versteht sich … ausdrücklich auch als Lebensmittelretterin … beschafft sich legal Lebensmittel von Supermärkten und verteilt sie an Menschen, die diese brauchen oder auch nicht. „Es kann auch die BMW-Managerin vorbeikommen“, sagt Kemmet zur Überraschung der 20 Besucher der Veranstaltung. „Die will vielleicht aus ideologischen Gründen, dass keine Lebensmittel weggeworfen werden.“ … Etwa 15 aktive „Retter“ gibt es. Die Gruppe organisiert sich über Facebook. Auch die Verteilung der Lebensmittel erfolgt darüber … Die Lebensmittelbezieher müssen sich … über Facebook verbindlich anmelden. Kommt jemand zweimal unentschuldigt nicht, fliegt er aus der Bezieherliste … Die Tafel verteilt ihre Lebensmittel nur an einem bestimmten Tag in der Woche. Die Rettergruppe verteilt 25 Mal pro Woche Lebensmittel. Die Beziehung zu den Tafeln laufe nicht spannungsfrei … „Containern“. „Sie holen es aus den Containern, aber es fehlt ihnen an Verteillogistik“, kritisiert Kemmet. „Ich gehe lieber vorne zur Tür rein und hole die Lebensmittel ab.“«
Kommentar: Legales Abholen nicht verkäuflicher Waren wird ausgespielt gegen sogenanntes illegales Containern. Trotz mehrerer Zeitungsberichte scheinen Frau Kemmet und ihre Helfer nicht registriert zu haben, dass es den beiden Lebensmittelretterinnen Caro und Franzi um eine Legalisierung des sogenannten Containerns geht und nicht um die Propagierung dieser Methode als nachahmenswert. Und darüber hinaus um eine menschenwürdige Produktions- und Handelspolitik für Nahrungsmittel. Frau Kemmet nutzt dagegen eine rechtliche Lücke im Marktgeschehen. Das ist legal und macht auch für die Märkte logistisch Sinn. Ob ihre Handlungsweise fair ist, das ist eine andere Frage. Wer teilnehmen will, muss beim umstrittenen Netzwerk „Facebook“ angemeldet sein. Nicht jeder Mensch kann oder will das. Zum Holen muss man die Abholstellen anfahren können. Wer teilhaben will, muss die Abholzeiten einhalten oder er wird gesperrt. Für die meisten Nutzer der „Tafeln“ dürften solche Regeln unangemessen sein. Somit wird Frau Kemmets „Lebensmittelrettung“ wohl oder übel zum Privileg für Menschen, denen Technik, Zeitbudget und Mobilität keine Probleme bereiten, was sehr oft auch vom finanziellen Hintergrund abhängt. Somit sind „Bessergestellte“ bis hinauf zur „BMW-Managerin“, denen sie „ideologische Gründe“ unterstellt oder zubilligt, die bevorteilten Nutznießer ihrer Kampagne. Die Fragen sind erlaubt, ob die Etikettierung als „Lebensmittelrettung“ für diese Initiative zutreffend oder eher verschleiernd ist? Hat jener Abnehmerkreis eine kostenlose „Speisung“ tatsächlich nötig oder handelt es sich vielmehr um eine Alimentierung eines Bevölkerungskreises, der einen Gang zur „Tafel“ nicht oder noch nicht nötig hat? So baut man eine neue Spaltung zwischen den armen und prekär lebenden Mitmenschen und allen anderen auf. Eben deswegen ist „die Beziehung zu den Tafeln nicht spannungsfrei“, wie Frau Kemmet konstatiert. Die Existenz der „Tafel-Kultur“, wie sie verharmlosend genannt wird, macht einen Sozialstaat als solchen unglaubwürdig. Durch die sogenannten „Lebensmittelretter“ à la Kemmet bekommt er noch einen unwürdigen Ableger drauf gepfropft. Anstatt gemeinsam Wege aus dem Dilemma der sich weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich zu suchen, heftet ihm diese Initiative ein freundlich schillerndes “Logo“ an. Anders sehe die Lage aus, wenn die Märkte wie in Frankreich gesetzlich verpflichtet wären, alle nicht-verkäuflichen Waren an die „Tafeln“ abzugeben. Frau Kemmets Klientel hätte dann freilich das Nachsehen.
Die Presse berichtet: „20 Prozent mehr Rentner … Mehr als 400.000 Rentner holen sich ihr Essen bei den Tafeln … Die bundesweit etwa 940 Tafeln verzeichneten aktuell 1,65 Millionen Kunden … „Unter unseren Kunden sind auch 500.000 Kinder und Jugendliche“ …

Schüler in Olching fordern Klimamaßnahmen

Brucker Tagblatt vom 16.12.19: »… ein Konzept für den Klimaschutz. 30 Schüler aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen haben sich in einem Workshop intensiv damit beschäftigt, welche Verbesserungsmöglichkeiten es vor der eigenen Haustür gibt … Wenn es nach 30 Schülern des Olchinger Gymnasiums geht, dann hätte die Stadt längst den Klimanotstand ausrufen sollen. Die Jugendlichen haben in einem Workshop Maßnahmen erarbeitet – und diese den Entscheidungsträgern vorgestellt. Wichtiger Punkt: die Verbesserung bei Bus und S-Bahn … Straßencafés oder mehr Grünflächen könnten dies aus Sicht der Schüler ändern. Zudem sollte man die Straßenführung für Kraftfahrzeuge unattraktiver machen. Als ebenfalls wünschenswert erachteten die Schüler, Geschäftsideen wie Unverpackt-Läden zu fördern. Das verbanden sie mit einer Mahnung an die Wegwerf-Gesellschaft. Einwegmüll wie bei Coffee-to-go-Bechern sollte vermieden werden. Die Jugendlichen würden zudem wieder Sperrmüll-Abholtage einführen oder Tauschbörsen anbieten … CSU-Fraktionsvorsitzender Tomas Bauer richtete auch kritische Worte an die Schüler. „Umweltschutz ist nicht das einzige Ziel“, sagte er. Er fragte: „Was hätte es für wirtschaftliche Konsequenzen, wenn man Autos verbietet, wenn weniger BMWs gekauft werden?“«
Infos zur Autofrage: Stell dir vor, Benzin wird immer teurer und du merkst es nicht, denn du hast gar kein Auto! Tatsächlich verzichtet heute schon jeder 4. Münchner Haushalt auf ein eigenes Auto: Statt Zeit und Geld für’s Tanken zu verschwenden, genießen sie lieber die schönen Dinge des Lebens. – http://wohnen-ohne-auto.de/was_ist_woa. Es ruft immer wieder Erstaunen hervor, auch bei Autofreien selbst, dass fast ein Viertel aller Haushalte in Deutschland ohne Auto lebt. In Städten über 500.000 Einwohnern sind es sogar über 40 Prozent. Millionen Menschen in Deutschland beweisen jeden Tag, dass es auch ohne Auto geht und man ohne Auto sogar besser leben kann. Denn für sie ist, anders als in der Werbung suggeriert, das Auto kein Statussymbol oder gar unverzichtbar für die alltägliche Mobilität. Im Gegenteil: Es wird als Belastung empfunden. Diese Menschen, die in der öffentlichen Diskussion noch zu wenig wahrgenommen werden, leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Mensch und Natur. Autofreie Menschen sind auch eine stille Herausforderung an eine Gesellschaft, die die Folgen ihrer Automobilität systematisch verdrängt. – www.autofrei.de/index.php/ueber-uns/selbstverstaendnis.

Tag der menschlichen Solidarität

Im LIFEstudioFFB läuft zum Vorweihnachts- und Neujahrsrummel am Freitag, 20.12., um 19 Uhr, eine Sendung mit vorbereiteten Beiträgen zum „Internationalen Tag der menschlichen Solidarität“. Der Link zum Livestream: www.lifestudio.ffbaktiv.de. Danach steht die Aufzeichnung im Video-Archiv: www.youtube.com/ffbaktivstudio. Es gibt die Lesung einer Geschichte von Rudolf Leonhard zu hören: „Das jüdische Kind“. Sowie drei satirische Lieder des Liedermachers Krysztof Daletski über die aktuelle Politik: „Circulus terroris“, „Wenn der Russe provoziert“, „Das Zwei-Prozent-Ziel“. Über den Schriftsteller Rudolf Leonhard weiß man wenig: Wie viele seiner Landsleute wurde der Schriftsteller im Herbst 1939 interniert und verbrachte vier Jahre in verschiedenen Internierungslagern und im Gefängnis. Als einer der wenigen Deutschen gehörte er nach seiner Flucht aus dem Gefängnis der südfranzösischen Résistance an. Krysztof Daletski, Liedermacher und Sänger, der gern zusammen mit seiner Tochter intoniert, ist noch zu wenig bekannt.
Internationaler Tag der menschlichen Solidarität: Der 20. Dezember wurde im Jahr 2005 von der Generalversammlung der UN als Welttag der Solidarität erklärt. Diese zählt laut erklärter Auffassung der Vereinten Nationen zu den fundamentalsten und wichtigsten Werten der menschlichen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Dieser Internationale Tag der menschlichen Solidarität soll an die Wichtigkeit erinnern, bei weltweiten Problemen gemeinsam zu agieren. Nur so können diese Herausforderungen gemeistert und Ziele erreicht werden. Die Förderung des wirtschaftlichen Aufschwungs in den Entwicklungsländern, um die Armut zu bekämpfen gehört, vordringlich dazu. Idealerweise sollten alle Nationen dies gemeinsam anstreben und unterstützen. Nach dem Prinzip der sozialen Ausgeglichenheit und Gerechtigkeit sollen diejenigen, denen es am besten geht, jenen helfen, denen es am schlechtesten geht. Wer am meisten profitiert, soll auch die größte Hilfe den Schwächsten zukommen lassen. Das wäre Solidarität unter den Menschen und daran soll dieser Welttag vor allem diejenigen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ermahnen und zum Handeln aufrufen. Der Welttag der menschlichen Solidarität nimmt jedes Jahr an Bedeutung zu. Beispielsweise verarmten allein im Jahr 2009 durch die internationale Wirtschaftskrise 100 Millionen Menschen zusätzlich. Eine große und direkte Bedrohung stellt der globale Klimawandel für alle Erdbewohner dar. Die absehbare Knappheit von sauberem Trinkwasser, die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird durch die immer öfter vorkommenden Naturkatastrophen bedingt und treffen am häufigsten und härtesten diejenigen, die bereits schon Not leiden. Sie sind am wenigsten darauf vorbereitet und können sich auch am wenigsten selbst helfen. Hier ist es an jenen denen besser geht, zu handeln. Große politische Ziele, wie die Verbesserung der Situation der Armen und Ärmsten dieser Welt und eine Eindämmung des Klimawandels sind eben nur gemeinsam zu erreichen. – https://dertagdes.de/jahrestag/Internationaler-Tag-der-menschlichen-Solidaritaet

365-Euro Ticket für alle?

Bericht der Brucker SZ am 26.11.19: „Verkehr in Fürstenfeldbruck: Brucks Plan B … die Aufteilung des reinen Autoverkehrs: Fast zwei Drittel dieser Fahrten beginnen oder enden in Fürstenfeldbruck, jede fünfte Fahrt beginnt und endet in der Stadt – und ebenfalls jede fünfte Fahrt führt als reiner Durchgangsverkehr an der einen Seite hinein und an der anderen wieder hinaus. Im Ergebnis kommt es vor allem im Zentrum mit 19 000 Autos pro Tag oder auf der Fürstenfelder Straße (17 000) immer wieder zu Staus, wie dies auch ein Besucher nüchtern konstatiert … Die meisten der statistisch täglich 3,51 Fahrten werden innerhalb Brucks oder über die Stadtgrenze hinaus weiterhin mit dem Auto zurückgelegt. Mit 46 Prozent als Fahrer oder Mitfahrer liegt die Kreisstadt in etwa auf dem bundesweiten Durchschnittsniveau … Besser werden will Bruck vor allem, wenn es um den Umstieg vom Auto auf Rad oder Bus geht. Oder noch grundsätzlicher: wenn es darum geht, die Belastung der Einwohner durch den Autoverkehr zu reduzieren. Die Kreisstadt will gegensteuern mit einem Verkehrsentwicklungsplan.“
Brucker SZ am 1.12.19: „Kreis will sich für 365-Euro-Ticket einsetzen … Ein 365-Euro-Ticket für alle, die den Nahverkehr im Großraum München nutzen wollen, ist indes noch nicht so weit. Die Bundesregierung hatte im Rahmen ihres Klimapakets beschlossen, zusätzliche zehn Modellprojekte zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu unterstützen, etwa durch die Einführung eines 365-Euro-Tickets. Der Landkreis will sich nun dafür einsetzen, dass das MVV-Gebiet in den Genuss einer solchen Förderung kommt.“
Brucker Tagblatt vom 7.12.19: „Der MVV führt ein 365-Euro Ticket für Schüler und Auszubildende ein … Die Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) hat am Freitag einer Einführung eines verbundweiten 365-Euro-Tickets für Schüler und Auszubildende zugestimmt. Das günstige Billett soll ab 1. August eingeführt werden, allerdings müssen noch die Stadt- und Gemeinderäte zustimmen … Rund 360.000 Jugendliche sollen laut MVV in den Genuss des Günstig-Tickets kommen … Studenten profitieren nicht … Münchens OB Dieter Reiter …: Das Ticket gilt immer, egal ob auf dem Weg in die Schule oder abends in den Club, und ist damit ein weiteres gutes Argument dafür, das Auto stehenzulassen und lieber mit Bus, U-Bahn oder Tram zu fahren.“
Öffis gratis nutzen. Die Bundesregierung erwägt, Länder und Kommunen finanziell zu unterstützen – wenn diese einen kostenlosen Nahverkehr einführen.“ Die Alternative in Tallinn, Hauptstadt von Estland, funktioniert nicht nur, sie bringt allen Vorteile: Das 2-Min.-Video auf 3sat/nano.

Hohe Kinderarmut und finanzielle Notlagen nehmen zu

Die Brucker SZ berichtete am 3.12.19 über „Hohe Kinderarmut … Puchheim: Laut Sozialamt ist die Quote doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt. Betroffen ist vor allem der Nachwuchs von Alleinerziehenden, Erwerbslosen, Geringverdienern und Großfamilien … In Bayern sind 6,1 Prozent der Kinder von Armut betroffen, bundesweit sind es 13,3 Prozent. In Puchheim erhalten 16,1 Prozent der Kinder unter 15 Jahren und 9,4 Prozent der 15- bis 17-Jährigen Sozialhilfe. Im Landkreis liegen die Quoten bei 7,2 und 4,7 Prozent. Dazu kommt eine vermutlich hohe Dunkelziffer. So gelten in Bayern weitere 16,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen als armutsgefährdet … Diese Daten stammen aus dem Sozialbericht der Stadt und dem Sozialatlas 2018 des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Armut bedeutet in der Bundesrepublik, dass Menschen sich bei Essen und Trinken, Kleidung und Wohnen einschränken müssen. Sie ernähren sich schlechter, sind öfter krank und ihr Zugang zu Bildung und Kultur ist eingeschränkt. Das beeinträchtigt die Kinder in ihrem weiteren Leben … Ihren Kindern droht ebenfalls ein Leben in Armut …“
Über finanzielle Notlagen berichtete die Brucker SZ am 2.1.19: „Von hundert Privatpersonen im Landkreis befinden sich sechs in einer finanziellen Notlage. Deshalb registrieren die Beratungsstellen der Caritas einen steigenden Bedarf. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist auf 42 gestiegen … Nach Angaben der Schuldnerberatung der Caritas ist inzwischen ein Drittel ihrer Klienten im Landkreis der Mittelschicht zuzurechnen … Ursachen dafür sind …, dass für viele das Gehalt nicht mehr zur Finanzierung des gewohnten Lebensstandards ausreicht. Da sind rasant angestiegene Mieten samt Nebenkosten in Kombination mit Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes oder die Trennung vom Partner oder dessen Tod … Nach Angaben des bayerischen Landesamts für Statistik hat im Landkreis im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum die Zahl der Verbraucherinsolvenzverfahren um 10,5 Prozent zugenommen …“

Ernährungsrat für den Landkreis

Die Plenumsversammlung Ernährungsrat für den Landkreis Fürstenfeldbruck am 11. November 2019 im Landratsamt Fürstenfeldbruck zieht erste Bilanz. Pressebericht: Der im Februar 2018 gegründete Ernährungsrat für den Landkreis Fürstenfeldbruck hat in einer Plenumsversammlung im November eine erste Bilanz gezogen. Frau Rike Strohmeyer vom Regionalmanagement begrüßte die ca. 40 Anwesenden und erinnerte, dass die Idee zum Ernährungsrat auf der ersten Regionalkonferenz 2016 entstanden ist. Nach einer kurzen Einführung in die deutschlandweite Bewegung der Ernährungsräte, stellte Michaela Bock die Struktur des hiesigen Ernährungsrates vor. Der Ernährungsrat ist eine offene Arbeitsgemeinschaft ohne formelle Mitgliedschaft. Das oberste Ziel ist „Die Lebensmittelversorgung der Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck regional, ökologisch und gerecht zu gestalten“. Vier Arbeitsgruppen arbeiten selbständig organisiert. Die Ergebnisse werden über die gewählten Sprecher der Arbeitsgruppen in den Sprecherrat getragen. Der Sprecherrat, derzeit 8 Vertreter, entscheidet über die Finanzen, Termine und Öffentlichkeitsarbeit. Die Sitzungen finden monatlich statt und werden protokolliert. Derzeit sind 5.000 Euro über den Haushalt der Agenda 21 im Landratsamt verfügbar. Die Gesamtorganisation (Pressearbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Haushaltsführung, Pflege der Internetseite etc.) wird derzeit von Frau Bock übernommen. In den letzten eineinhalb Jahren hat sich der Ernährungsrat bei den verschiedenen Veranstaltungen mit Info- und Aktionsständen präsentiert, z.B. Fürstenfelder Gesundheitstagen, Bauern-und Handwerkermarkt in Türkenfeld, Ökomarkt Puchheim, Hoffest Dinkel, etc. Auf der Internetseite werden alle Termine und näheren Informationen der Arbeitsgruppen veröffentlicht: www.ernaehrungsrat-ffb.de. Die Arbeitsgruppen werden ihre Arbeit im neuen Jahr fortsetzen. Interessierte sind immer willkommen.

Sind Sanktionen für Arbeitslose manchmal sinnvoll?

Claudia Baubkus, die Leiterin des Jobcenters FFB, im Interview mit der Brucker SZ vom 1.12.19, nennt erschreckende Zahlen: „Im Jahr 2018 waren durchschnittlich 98 erwerbsfähige Leistungsberechtigte pro Monat mit mindestens einer Sanktion belegt. Darunter waren durchschnittlich 18 Personen mit zwei oder mehr Sanktionen belegt … Unsere Sanktionsquote beträgt bisher acht bis zehn Prozent. Das ist in etwa auch der bundesweite Durchschnitt … In der Regel waren es Sanktionen zu 30 und 60 Prozent. Bei ‚Totalverweigerern‘, die jegliche Mitwirkung versagten, kam es zu einem vollständigen Wegfall der Regelleistung … Wir haben 2018 durchschnittlich etwa 3600 Bedarfsgemeinschaften betreut: Darunter befinden sich 1845 Single-Bedarfsgemeinschaften, 738 Alleinerziehende, 626 Partner-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern sowie Partner-Bedarfsgemeinschaften ohne Kinder. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte werden im Landkreis ungefähr 5000 betreut … Arbeitslos sind 1154 Personen. Etwa 75 Prozent der SGB II-Bezieher sind Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, vom Verdienst aber nicht leben können … Das sind 358 Leistungsberechtigte, also knapp acht Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Tendenz steigend aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere der hohen Mieten … Ja, ich halte die 30 Prozent für richtig … Aus meiner Sicht ist die Grundsicherung ein soziales Grundrecht, das an zumutbare Mitwirkungspflichten geknüpft ist …“
Der Erwerbslosenverein „Tacheles“ hat eine umfangreiche Umfrage zu den Folgen und Wirkungen von Sanktionen durch die Jobcenter durchgeführt … „An der Befragung haben Leistungsbezieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Anwältinnen und Anwälte aber auch viele Jobcentermitarbeiter*innen teilgenommen. Einige Ergebnisse: 86,9 % aller Befragten hielten Sanktionen „nicht für geeignet“, um eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Vielmehr führen die Sanktionen nach Meinung von 80% der Umfrageteilnehmer*innen zu schlechter entlohnten und prekären Jobs. Fast genauso viele (79,2%) sehen eine konkrete Dequalifizierung für ihre weitere erfolgreiche berufliche Laufbahn. Dass Sanktionen auch ganze Haushalte, sogenannte Bedarfsgemeinschaften, treffen sehen 83,9% der Befragten. Besonders betroffen sind demzufolge mit rund 77,9% alleinerziehende Eltern von sanktionierten Jugendlichen/jungen Erwachsenen sowie deren Geschwister. Weit über die Hälfte (64,9%) der Befragten bestätigten, dass Sanktionen zu Wohnungsverlust geführt haben und 69,6 % haben in diesem Zusammenhang Kenntnis von Stromsperren. Für rund drei Viertel der Teilnehmenden (70,3%) waren/sind die Geldkürzungen der Beginn einer Verschuldungsspirale und mehr als jeder Zweite (56,3%) hat erlebt, dass Sanktionen zum Verlust des Krankenversicherungsschutzes geführt haben. 63,3% aller Befragten erklärten, dass Sanktionen zu Resignation und Motivationsverlust führen. Als Gründe gaben 44,5% „Überforderung aufgrund psychischer Erkrankung/Belastung“ an. Dass eine Zuweisung für eine berufliche oder persönliche Qualifikation nicht immer passgenau ausgeführt wird, bemängeln 40% der Teilnehmenden. Mängel bei der Beratung der Jobcenter vor Ort kritisieren 37,4% der Befragten und mehr als jeder Dritte (38,0%) erlebte „rechtswidriges oder willkürliches“ Verhalten“ durch die Jobcenter.“(https://tacheles-sozialhilfe.de/startseite/tickerarchiv/d/n/2462)
Prof. Dr. Heribert Prantl, lange Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, jetzt Kolumnist und Autor der SZ, schrieb in seinem Kommentar zum BGH-Urteil: „Das Karlsruher Urteil lässt das kalte Herz von Hartz IV weiterschlagen, nach Implementierung von ein paar Stents … Wer sich nicht konform verhält, wer echt oder angeblich zumutbare Arbeit nicht annimmt, nicht zur gemeinnützigen Arbeit antritt, Termine nicht wahrnimmt oder Dokumente nicht beibringt – dem werden die Leistungen bis weit unter das Existenzminimum gekürzt, wenn auch nicht mehr ganz so brutal und pauschal wie bisher; er kann aber womöglich auch künftig seine Stromrechnung nicht mehr bezahlen … Man hätte sich ein Urteil gewünscht, das die Spaltung der Gesellschaft nicht hinnimmt, sondern sie überwinden hilft. Man hätte sich ein Urteil gewünscht, das aufzeigt, wie Arbeitslose gut gefördert werden können. Man hätte sich ein Urteil gewünscht, das nicht schwarze Pädagogik unterstützt, sondern den Sozialstaat als Schicksalskorrektorat beschreibt … Die Armen in Deutschland werden gern als ‚sozial schwach‘ bezeichnet. Das ist eine Beleidigung. Sozial schwach sind diejenigen, die den Armen aus der Armut helfen könnten, es aber nicht tun. Sozial schwach ist auch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts.“ (https://www.sueddeutsche.de/politik/hartz-iv-urteil-prantl-meinung-1.4673395)
Aus einem Kommentar von Prof. Dr. Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften: „Für viele Menschen wird es pragmatisch nun darum gehen müssen, dass das, was in den Jobcentern passiert, rechtlich möglichst klar normiert und zugleich eine zivilgesellschaftliche Anwaltsfunktion installiert wird, die Hilfestellung leisten kann, wenn man im letzten Außenposten unseres Sozialstaates unter die Räder kommt.“ (http://aktuelle-sozialpolitik.de/2019/11/06/ein-sowohl-als-auch-urteil)

Future for Young and Old – hier und anderswo!

Freitag, der 29.11., wird ein besonderer Tag: Großdemo am Königsplatz, München, ab 12 Uhr: Mit dem von der Bundesregierung vorgelegten Klimapäckchen lässt sich die Erderhitzung nicht eindämmen. Deshalb fordern wir gemeinsam mit Fridays for Future einen Neustart für echten und gerechten Klimaschutz und rufen Menschen aller Generationen am 29. November zum Klimastreik in hunderten Orten Deutschlands auf. Machen auch Sie mit: Nehmen Sie sich den Tag frei oder verlängern Sie Ihre Mittagspause und demonstrieren Sie mit uns für den Klimaschutz! Wir teilen die Empörung der Schülerinnen und Schüler von Fridays For Future über das klimapolitische Versagen der Bundesregierung: “Dies auch noch als Erfolg zu verkaufen, ist ein Schlag ins Gesicht aller Demonstrant*innen für wirksamen Klimaschutz. […] Unsere Gesellschaft ist beim Klimaschutz deutlich weiter als ihre Bundesregierung […] Wir streiken, bis Ihr handelt!” – Mehr Infos hier.
Das „LIFEstudioFFB“ veröffentlichte ein 15-Minuten-Video, das die Fürstenfeldbrucker Gruppierung von „Fridays for Future“ zu Wort kommen lässt.
Helfen Sie mit, 365.000 Unterschriften beim Appell an die Bundeskanzlerin und die Mitglieder des Klimakabinetts zu erreichen.

Freitag, der 29.11., um 19 Uhr,
zeigt das „LIFEstudioFFB“ zum Thema „Afrikanische Fluchtursachen. Afrika ist ein Nettogläubiger für den Rest der Welt, auch für Fürstenfeldbruck“ Interviews mit Léonce Ndikumana, Professor für Wirtschaft, Direktor des African Development Policy Program und Mitglied des Ausschusses für Entwicklungspolitik der Vereinten Nationen. Er identifiziert Direktinvestitionen, Schulden und Kapitalflucht als Ursachen der neokolonialistischen Abhängigkeit Afrikas von den Industrienationen. Mehr dazu hier.

Gemeinsam kann etwas klappen

Am 20.11.19 berichtete die Brucker SZ: „Gemeinsam sparen, zusammen bauen und individuell wohnen“. Der Dokumentarfilm „Wer wagt beginnt“ zeigte im Brucker Lichtspielhaus die Geschichte der Wohnbaugenossenschaft „Wagnis eG“ am Ackermannbogen, gleich neben dem Olympiagelände in München. » „So was kann auch in Fürstenfeldbruck klappen“, glaubt Martin Thoma, der mit den weiteren IG-Sprechern Ulrike Kornacher und Dionys Zehentbauer nun auf den Durchbruch hofft … Die Interessengemeinschaft Aumühlenpark will mitten in Bruck eine Wohnanlage errichten und orientiert sich am Münchner Genossenschaftsmodell „Wagnis“ … Sollte aus der IG Aumühlenpark eine Wohnbaugenossenshaft und bei Bedarf zusätzlich eine Bauherrengemeinschaft werden und diese von der Stadt den Zuschlag bekommen für einen Teil des früheren Stadtwerkegeländes oder alternativ eines Grundstücks am Niederbronner Weg (unter Umständen in Erbpacht) … wäre auch dort eine Gemeinschaft das Ziel. Und weil kein Baulöwe Profit machen würde und Eigenleistung eingebracht würde, wird kalkuliert mit 15 bis 20 Prozent niedrigeren Kosten … Das Genossenschaftsmodell … wirke es der Ghettobildung und der Bodenspekulation entgegen …“ « – Mehr Infos auf „Aumühlenpark.de.

Klimaforderungen unterhalb des Tellerrands

Das Brucker Tagblatt berichtete am 11.11.19 über die Vorstellung von Klimaforderungen vom Umweltbeirat und dem Stadtjugendring an die Stadtverwaltung unter der Überschrift: „Eine Steuer auch für Katzen und andere Ideen: So könnte Klimaschutz vor Ort aussehen“. Gefordert werden unter anderem eine „Baumschutzverordnung, eine verbesserte Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge, ein komplettes Verbot privater Feuerwerke und eine „Hundesteuer auch für Katzen“ … die Sicherung und Neuanlage von Grünflächen im Innen- und Außenbereich, beidseitig markierte Radwege sowie Tempo 30 in der gesamten Innenstadt, die Schaffung von zentralen Großparkplätzen zugunsten vieler einzelner Stellplätze in der Innenstadt und der Kauf von regionalen, Fairtraide-, Bio- und verpackungsreduzierten Waren in Schulen, Kitas und öffentlichen Kantinen. Außerdem soll im Rathaus Papier gespart werden, und zwar durch eine papierlose Verwaltung“ sowie „eine Überarbeitung des Flächennutzungsplanes“.
Den Klimanotstand wolle man nicht ausrufen, weil Bruck keinen habe. Das Pariser Klimaschutzabkommen sei „zwar wichtig, aber doch eher für die große Politik“. Deshalb heißt es: „Wir sollten lieber im Kleinen anfangen und vor der eigenen Tür kehren.“
Fragen über Fragen: Was so schön konkret und angemessen klingt, kommt seltsam halbherzig daher. Glaubt man, der Klimawandel wird um Bruck eine Umleitung nehmen? Noch läuft nichts aus dem Ruder – morgen auch noch? Sind die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht ganz unabhängig vom Klimawandel angesagt? Ist die „Katzensteuer“ als parodistische Einlage gedacht? Erklärt das Statement, weil Bruck derzeit keinen Klimanotstand habe, verstünden die Menschen nicht, würde man ihn ausrufen, uns Bürger dieser Stadt eventuell für gedankenlos und einsichtsunfähig? Wer zieht Vorteile aus der Parole „Im Kleinen anfangen“ ist notwendig, aber die „große Politik“ geht uns nichts an?